Qualität ist das, was zählt

Gemeinsam mit Nicole Oppelt diskutierten am 17. Oktober (v.l.n.r.) Eberhard Sinner, medienpolitischer Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, Leporello-Chefredakteurin, Susanna Khoury, Antonia Tretter, Studentin der Theaterwissenschaften in München, Roselinde Weigert, Oberstudienrätin am Mädchenbildungswerk Gemünden, Anne Maar, Leiterin des Fränkischen Theaters Maßbach sowie Bezirksheimatpfleger bei der unterfränkischen Kulturstiftung, Professor Dr. Klaus Reder in drei großen Themenblöcken über Notwendigkeiten, Entwicklungen und Herausforderungen.
„Brauchen wir Theater?“ Die Frage, die Helga Hartmann, Leiterin der Spessartgrotte Langenprozelten, den Gästen der Podiumsdiskussion im Rahmen der 1. Kinder- und Jugendtheatertage Mainfranken vorsetzte, mag rhetorisch anmuten. Doch der Eindruck täuscht. Unter der Leitung von Nicole Oppelt, freie Journalistin und Leporello-Mitarbeiterin, lief die Expertenrunde zu Hochform auf und zeigte, dass aus diesem provokanten Einwurf durchaus interessante Gedanken für die Theaterszene folgen können. In einer gut anderthalbstündigen Gesprächsrunde schilderten sie aus der politischen, wirtschaftlichen, genauso wie aus der persönlichen Warte heraus, warum ihnen die Institution Theater ans Herz gewachsen ist und ein essentielles Gut unserer sich stark im Wandel befindlichen Gesellschaft darstellt. „Meine Großmutter hat immer gesagt: Theater ist ein geistiges Grundnahrungsmittel“, zitiert etwa Anne Maar die Idee der Gründerin des Traditionshauses. Auch für die Enkelin ist Theater ein wichtiger Bestandteil des Lebens – und das Fränkische Theater Maßbach für viele Menschen der Region zu einem nicht wegzudenkenden Kulturträger geworden. Ganz ähnliche Gedanken hat Susanna Khoury. Durch die Patenschaft für das Kinderhaus St. Albert in der Lindleinsmühle versucht das Kinderkulturmagazin Leporellino den mehr als 100 Kindern die Partizipation an Kultur zu ermöglichen. Auch in ihren Augen sei Theater ein Grundnahrungsmittel. Teils in persönlichen Erinnerungen schwelgend oder aus der beruflichen Praxis folgernd, beschreiben die Teilnehmer, dass Theater kein isolierter Ort für eine kleine intellektuelle Elite ist. Zu bunt und vielfältig sei die hiesige Szene, die durch Projekte wie die Arbeitsgemeinschaft Mundarttheater die Stärken der Region optimal repräsentieren könne. „Jeder sieht das Seine, aber bezahlen sollen es andere“, kritisiert jedoch Professor Dr. Reder den nicht leiser werdenden Ruf nach Unterstützung. Hier gilt es, den Spagat zwischen einer sichergestellten Finanzierung, aber auch der Unabhängigkeit der Institutionen zu schaffen, fügt Eberhard Sinner an. Vernetzungen unterschiedlichster Form – sei es von benachbarten Orten, mit anderen Profis oder Schultheatergruppen – sind hier absolut notwendig, lautete deshalb eine weitere Erkenntnis der Runde. Unweigerlich blickt diese auch ins WWW und fragt sich in Anbetracht einer nötigen Verbindung von Tradition und Moderne: „Ist es schwerer, der Internet-Generation das 'Offline-Theater' näher zu bringen? Reagiert Theater überhaupt auf die Neuen Medien?“ Die gute Nachricht: Erste Schritte werden auf YouTube oder dem weltweit größtem Sozialen Netzwerk Facebook bereits vollzogen. Doch die einfache Formel, die sich bereits über Jahrzehnte bewährt, muss auch heute lauten: „Qualität ist das, was zählt!“
Facebook-Reaktionen auf die Podiumsdiskussion in Gemünden:
„Kommt auf das Theater drauf an. In der Antike waren die Theater über den europäischen Raum verbreitet (wie heute die Fußballstadions) und funktionierten als politisches Instrument der Demokratie. Heute ist das Theater Teil traditioneller Bildung und interkultureller Prozesse und hat vor allem auch pädagogische Funktionen - nicht nur für den Zugang zur dramatischen Literatur sondern auch für das Training der Sprachkunst - der gesprochenen Sprache - und des persönlichen Auftritts. - "Brauchen wir Theater?" - als Alternative unbedingt!!! Auf der Schulbank sitzen müssen und Bildungsgüter empfangen von Lehrmeistern, die dem Kulturbetrieb weitgehend fernstehen (und hoffentlich nicht auch noch auf sich allein gestellt DAS Theater vermitteln wollen), dieses Modell hat sich ja Gottseidank schon weitgehend verabschiedet und fortschrittlich weiterentwickelt.“
„Schon ganz kleine Kinder verkleiden sich gerne. Im Theater spiegelt sich unsere Welt wieder und wir schlüpfen unbeschadet in andere Rollen.“
Auf die Frage fällt mir ein Zitat von Oscar Wilde ein: "Ich liebe es, Theater zu spielen. Es ist so viel realistischer als das Leben."
Kunst, Kultur, Theater sind Teil, Basis und innovativer Motor unserer Gesellschaft - ein klares JA!



