Zu Besuch im Mainfranken Theater

Kinderhaus St. Albert besucht zusammen mit Leporellino das Mainfranken Theater

"Jedes dritte Kind, das bei uns ist, lebt unterhalb der Armutsgrenze." - Diese Aussage der Erzieherin Anja Hartmann vom Würzburger Kinderhaus St. Albert hat uns zum Nachdenken gebracht und war zugleich die Initialzündung für den Zweig "Social Marketing" der Agentur Kunstvoll Media. Zum 5. Geburtstag des verlagseigenen Kinderkulturmagazins "Leporellino" übernahmen Verlag und Agentur die Patenschaft für das Kinderhaus in der Lindleinsmühle. Zum Start der Patenschaft organisierte "Leporellino" den kostenlosen Besuch des Mainfranken Theaters für die Kinderhaus-Kinder. Hier konnten sie hinter die Kulissen blicken und bekamen Antworten auf ihre vielen Fragen rund um den Theaterbetrieb.

Es ist der 16. Februar, 11 Uhr: Zehn aufgeregte Kinder (zwischen drei und sechs Jahren) stehen vor dem Bühneneingang des Mainfranken Theaters und warten sehnsüchtig darauf, endlich reingehen zu dürfen. Es ist Projekttag im Kinderhaus St. Albert in Versbach/Lindleinsmühle und heute dürfen die Kleinen nach langen Vorbereitungen endlich einen Blick hinter die Kulissen des Theaters werfen. Nachdem sie ihre bunten Rucksäcke abgelegt haben, schwirren sie aufgeregt durch den Raum, bis Theaterpädagogin Elisabeth Strauß die geheimnisvolle Reise hinter den Kulissen beginnt. Zur Einführung erklärt sie ihnen, dass Schauspieler auch nur Kinder sind, die spielen. Erstes Highlight der Führung ist der Blick in eine Schauspielergarderobe, in der sich sogar eine echte Schauspielerin aufhält, die der Kinderhausgruppe Theatergeld schenkt. Die kleinen Besucher wissen, dass sie in der realen Welt damit nichts kaufen können, obwohl viele von ihnen Geld dringend nötig hätten: „Ungefähr jedes dritte Kind im Kinderhaus lebt in Armut“, schätzt die Erzieherin Anja Hartmann. Es reiche manchmal weder für Pausenbrot noch für Hausschuhe, geschweige denn für Kultur, erzählt sie.

Das Kinderhaus betreut Kinder zwischen zehn Monaten und 17 Jahren. Die Erzieher arbeiten mit einem offenen Konzept, das bedeutet, dass die Großen auf die Kleinen, oder aber auch mal die Kleinen auf die Großen aufpassen. Besonders Kinder mit Migrationshintergrund sind hier stark vertreten (mehr als die Hälfte der Kinder). Die Erzieherin Hartmann betont, dass dies viele Vorteile habe: „Die Kinder lernen dermaßen voneinander“ schwärmt sie, „so haben wir ein „guten morgen“ oder ein „happy birthday“ in vielen verschiedenen Sprachen“. Doch an der Finanzierung des Kinderhausalltags und besonders der kultureller Aktivitäten mangelt es ungemein.

Weiter geht die Reise in den Schminkraum. Die kleine Hacer möchte nämlich wissen:"Wo werden die Schauspieler geschminkt?" Besonders großes Gelächter ertönt, als die Kinder das Foto eines jungen Schauspielers entdecken, der als Opa geschminkt ist. Der Weg zur Schneiderei führt über den gesangerfüllten Flur. In der Schneiderei stehen die Kinder bewundernd vor den prächtigen Kostümen. Am Ende wird den kleinen Besuchern eine Tüte voll prächtiger Stoffe überreicht. Auf dem Weg in die Schreinerei erläutert die Theaterpädagogin Strauß die Bedeutung der kulturellen Förderung, besonders in den Kinderjahren, denn „was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“, sagt sie. So sei das Kasperltheater oder das Spiel mit Fingerpuppen schon eine wichtige Tradierung kultureller Formen, die heutzutage leider immer mehr in den Hintergrund treten. Diesem Problem haben sich das Kinderkulturmagazin Leporellino und das MainfrankenTheater angenommen und in beispielhafter Zusammenarbeit haben sie den Kindern des Kinderhauses dieses kulturelle Abenteuer ermöglicht.

Beiden Institutionen liegt die kulturelle Förderung der Kindern besonders am Herzen und sie übernehmen Verantwortung. Nur ein Blick in die glühenden Gesichter und den glänzenden Augen bestätigt den Erfolg dieses Projekts und ermutigt vielleicht auch andere, sich für “Kinder in (Kultur)not” zu engagieren...